Das Album ist tot - Es lebe das Album!
Dass die Online-Musik-Verkäufe den Rückgang der Gesamt-Absatzzahlen für “Tonträger” abfedern bzw. sogar ausgleichen, war schon bei der Veröffentlichung der letzten Verkaufszahlen deutlich zu sehen. Mehr Musikverkäufe online führen jedoch unweigerlich zu einem ganz anderen Kaufverhalten: Wo man früher einen Track im Radio oder bei Freunden hörte und sich dann das passende Album besorgte, kann heute der Song einfach auf einer der legalen Musik-Download-Plattformen heruntergeladen werden (von den illegalen Möglichkeiten soll hier garnicht die Rede sein).
Das Konsumverhalten im Musikbereich entwickelt sich stetig weiter hin zu granularem Zugriff auf einzelne Werke der Künstler. Früher konnte niemand an der “Vorhör-Theke” im ***-Markt verlangen: “Ooch die Lieder 2-5 und das 8. und 11. Lied gefallen mir ganz gut, können Sie mir die bitte einpacken?”. Das geht heute - problemlos - online versteht sich.
Wie viele Muttis kauften sich das Extreme-Album “Pornograffitti” nur deswegen, weil sie “More Than Words” im Radio gehört hatten (bei dem Sänger Gary Cherone und Gitarrist Nuno Bettencourt mal so richtig dick Schmalz auftrugen), um anschliessend (meist enttäuscht) festzustellen, dass sich auf dem Album eigentlich ganz andere Musik befindet?!
Was bedeutet das für den Musiker oder die Band, die sich oft als Künstler sehen, der gern bestimmen möchte wie der Konsument bitteschön die Werke zu rezipieren habe (Stichwort Metallica)?
Wird es in Zukunft noch solche Erlebnisse geben, wie man sie beim Hören des Hildenbeutel&Väth-Werks “The Harlequin, The Robot And The Ballet-Dancer” hatte (Themenalben also, deren Gesamtheit mehr wert ist als die Summe ihrer Teile.)?
Oder zählt für den Endkunden eher der schnelle Genuss ohne auch mal eine Phase auf einer “Platte” durchzustehen, die nicht 100%ig deckungsgleich mit seinem bisherigen Hörverhalten ist?
Der erste Punkt ist sicher, sich mit der Entwicklung abzufinden, anstatt der guten alten Zeit nachzutrauern. So schreibt z.B. auch das Digital Music Weblog:
The death of the album is upon us and I for one would rather celebrate its life, rather than mourn its passing.
bzw. sinngemäß auf Deutsch:
Der Tod des Albums steht bevor und ich würde eher sein Leben feiern, als über das Dahinscheiden zu trauern.
Und dann kann man sich auch Gedanken darüber machen, wie sich eventuell auch in Zukunft in bestimmten Fällen der künstlerische Anspruch verwirklichen lässt, ein thematisch zusammenhängendes Werk abzuliefern, von dem auch der Hörer überzeugt ist und sich deswegen die nicht nur einzelne Rosinen rauspickt.
Als Beispiel fallen mir natürlich sofort die DJ-Mixe ein, die ohne 3 oder 4 Tracks in der Mitte wenig Sinn machen (wobei dem Künstler hier die technischen Gegebenheiten einen Strich durch die Rechnung machen könnten: nicht alle Player-Programme unterstützen dateiübergreifendes lückenloses Abspielen).
Auch die “EP” als häufig anzutreffendes Online-Format mit 4 Tracks für 2 bis 5 EUR könnte als Mini-Themen-Album geeignet sein, wenngleich sie auch nicht ganz das Gewünschte erreicht.
Welche Möglichkeiten gibt es, um dem Musikhörer auch bei Verfügbarkeit von Einzeldownloads nahezulegen, dass er sich lieber das ganze “Album” kauft? Wer Ideen dazu hat, der kann sie gern unten im Kommentarbereich “zu Gehör bringen”…
Update: nicorola fragt, ob das Album aussterben wird.
