Nun wird MySpace doch zum Musikverkäufer

Lange Zeit habe ich es vermutet und mich hin und wieder gewundert (Eintrag vor einem Monat):

Was mich schon seit einiger Zeit wundert, ist, warum die Firma hinter MySpace (News Corp.) sich nicht den zusätzliche Einnahmequelle erschließt und es Künstlern ermöglicht,ihr eigenes Material über die Plattform zu verkaufen. Die Dateien sind hochgeladen, der Player existiert (müsste nur um die Option “buy” und einen Warenkorb erweitert werden) und das Zielpublikum ist auch reichlich vorhanden.

Nun scheint die Idee tatsächlich in Fahrt zu kommen wie US-Medien den Firmengünder Chris DeWolfe zitieren. Heise titelt “MySpace wird zum Musikladen“:

Nach Unternehmensangaben sind es fast drei Millionen Bands, die ihre Musik auf Myspace vorstellen. Die Rechte an der Musik liegen dabei in der Regel noch bei den Künstlern selbst, da sie noch keinen Vertrag mit einem Label haben. Diesen Musikern will MySpace bis Ende des Jahres eine Möglichkeit geben, ihre Musik auch direkt über das Portal zu verkaufen. Die Bands sollen frei entscheiden können, wieviel sie für ihre Musik nehmen wollen, MySpace berechnet im Gegenzug eine Vetriebsgebühr.

Die technische Lösung soll dabei vermutlich von Snocap (Firma von napster-Gründer Shawn Fanning) beigesteuert werden. Derzeit können amerikanische Kunden schon Musik in Form von MP3-Files von Bands auf MySpace kaufen, die die Technologie (eine Art Flash-Player/Warenkorb mit Kasse) einsetzen. Hier nochmal das Bild dazu:

Snocap Flash Widget
Player auf der MySpace-Seite der Band ‘TheFormat’ die den Snocap-Player für den Verkauf von Tracks einsetzt

Fein! Konkurrenz belebt das Geschäft. Soweit ich das erkennen kann, wird über die Technologie DRM-freies Material verkauft werden, was den etablierten Plattformen wie musicload und iTunes nicht passen wird: Einfach weil es viele Leute vorziehen werden, sich DRM-freies Material von “selbst entdeckten” Bands und einiges bekannten Vorreitern zu kaufen als sich über die etablierten Kanäle mit erschwerter Benutzung gängeln zu lassen. Aber das wird man erst sehen müssen, vielleicht bietet MySpace da verschiedene Optionen an, um auch die “DRM-Künstler” zufriedenstellen zu können.

Außerdem: wenn sich der Musikhörer sowieso auf MySpace befindet um Musik zu suchen, warum soll er dann die Plattform zum Kauf wechseln, wenn es nicht mehr notwendig ist. Und wenn diese die kritische Masse überschreiten, wird es sehr schwierig für die etablierten Künstler diese Möglichkeit zu ignorieren. Das war ja auch schön bei den langjährigen iTunes-Verweigerern zu sehen, die nun doch nach und nach klein beigeben um sich die Einnahmen nicht entgehen zu lassen (Metallica etc.).

Für den Endanwender ist das eine gute Sache, für die Bands und Musiker auch, erhöht es doch deren Freiheitsgrade entscheidend. Promotion bleibt genauso wichtig wie vorher, auch die Pflege von Fan-Communities wird sich dadurch nicht allein machen, aber es würde die (einfache) Möglichkeit eröffnen, den Besucherstrom zu monetarisieren (was bisher bei MySpace nur über externe Anbieter -und dadurch recht umständlich- möglich ist). Auch Künstler müssen ja bekanntlich hin und wieder ein Brot kaufen (Hab’ ich gehört…).

Quelle: heise.de

Update: Laut intern.de sollen den Musikern 55% der Einnahmen bleiben:

Denn MySpace will nur eine “kleine” Distributions-Gebühr von 45% von jedem Verkauf einbehalten. Das hört sich zunächst nicht unbescheiden an, dürfte den Musikern aber einen größeren Anteil an den Einnahmen verschaffen, als sie es von ihren konventionellen Verträgen her kennen.

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